Jetzt muss ich ausnahmsweise einmal aus meinem eigenen Nähkästchen plaudern. Und nur aus dem. Ich gebe zu, ich bin etwas aufgeregt und gleichzeitig verärgert. Was ist geschehen? Zusammen mit einer ganzen Reihe engagierter Kollegen sind wir im Begriff, ein Netzwerk unserer Branche zu realisieren, um einen Cluster ähnlich derjenigen der Automobil- oder Biotechindustrie zu bilden. Wir haben lange recherchiert, mit vielen Entscheidern zusammengesessen, haben unsere juristische Form gefunden. Über 200 Unternehmen aus verschiedenen Sparten, Freelancer in der Regel, bilden den jetzigen Pool der Interessenten, die sich seit zirka zwei Jahren treffen. Und einige arbeiten seitdem kontinuierlich im Ehrenamt.

Sicher ist der finanzielle Rücken unserer potenziellen Mitglieder nicht so breit wie die Unternehmen, die sich in der Autobranche zusammenbinden, denn wir adressieren alle schöpferisch Tätigen in der Stadt. Und da gibt es natürlich extreme Unterschiede. Es ist nur zum Fürchten, mitzubekommen, wie inspirationslos und einfältig, wie hasenfüßig und wenig selbstbewusst manche Kollegen agieren. Wir wollen uns als aktiven Part der Wirtschaft vor Ort darstellen. Das braucht Mittel, um Veranstaltungen mit Qualität und Attraktivität realisieren zu können. Seit Monaten feilschen wir über die Bestimmung der Höhe des Mitgliedsbeitrags. Wider alle Empfehlungen wollen viele nur symbolische Mittel aufwenden. Wollen sie eigentlich nicht vertreten werden? Oder sind sie einfach nur geizig?

Unsere Ambitionen sind wirklich sehr groß, und wir bekommen jetzt schon enorm viel Rückenwind von finanzstarken Playern vor Ort. Das ermutigt sehr, denn der Bedarf ist deutlich zu bemerken. Aber ohne Eigenmittel keine große Förderung. Seit dem Sommer wird im Sprecherkreis diskutiert. Geht es dann an die Basis, bleibt nichts davon übrig. Das ist frustrierend. Und wer sein Herzblut in die Sache steckt befindet sich plötzlich in der Zwickmühle. Einerseits versteh ich die Einwände, aber muss die andererseits vergessen, wenn jeder empfiehlt, mehr Geld in die Hand zu nehmen.

Es sind gewisse Tücken der Form, die es notwendig machen, durch eine Vereinsgründung beweglich zu werden. Fatalerweise wird der Rat nicht angenommen, und die Vorstellungen, die längst als Richtlinie in Schriftform vorliegen, werden, wenn es ums Geld geht, gleich wieder zur Diskussion gestellt. Ich sage es ganz offen: Klare Entscheidungen sind genau meine Sache. Wenn ich ein Projekt verfolge, möchte ich Ergebnisse sehen. Daher bin ich auch bereit, mich überstimmen zu lassen. Aber das ewige Zerreden hat mit einer konstruktiven Argumentation nichts mehr zu tun, denn es ist längst zur Endlosschleife verkommen. Solch ein Zustand ist zermürbend und hindert uns daran, handlungsfähig zu werden. So manch einer würfe das Handtuch, ich jedoch werde mir meinen Gestaltungswillen nicht nehmen lassen.