Handreichung für ein reflektiertes Leben

Zum Jahresende hin las ich auf Facebook einen Eintrag von Herrn E., in dem er sich über die Lage und das Leben in der Welt beklagte und (für sich) die Revolution proklamierte. Für das kommende Jahr.

Die eigene Existenz in übergreifenden Zusammenhängen wahrnehmen

Guter Wille reicht nicht

Seine revolutionären Taten, die er auflistete, bezogen sich auf seinen Alltag als Vater, Geldverdiener und umweltbewussten Menschen. Das, so Herr E., reiche ihm nicht, weshalb er mit mir Kontakt aufnahm. Es müsse doch mehr möglich sein, als immer nur Tropfen auf heißen Stein fallen zu lassen. Außerdem, so schilderte er, würden Freunde und Kollegen ihn als Schwätzer und Phantasten abtun. Es ändere doch nichts, wenn er nur noch regionale Produkte kaufe. Und dieses Fair Trade sei doch auch nur ein Werkzeug imperialer Marktmacht. Die Bauern im Trikont würden dadurch immer noch nicht an der gesamten Wertsteigerungskette beteiligt. Kurzum, er wolle einfach mehr und nachhaltiger sein Leben verändern. Für sich, seine Kinder und seine Umwelt. Ob ich ihm nicht helfen könne.

Der Revolution eine Basis geben

Ich bot ihm an, seiner Revolution im Sparring mit mir eine Basis zu geben. Inspiriert von der
Philosophie der Lebenskunst [1] entwickelte er im Coaching sein Manifest:

  1. Das erweiterte Selbstverständnis
    Den Blick von außen als entscheidenden Impuls einbeziehen und die eigene Existenz in übergreifenden Zusammenhängen wahrnehmen.
  2. Ein besonnenes Leben führen
    Das rechte Maß im Umgang mit Ressourcen und Techniken finden.
  3. Selbstmächtigkeit
    Mithilfe subjektiver Techniken die eigene Macht im Umgang mit objektiven Techniken und Technologien ins Spiel bringen.
  4. Reflexion der eigenen Gewohnheiten
    Überkommene Gewohnheiten ablegen.
  5. Vom Verbrauch zum Gebrauch
    Die stupide Reduktion als Verbraucher hinter sich lassen und zum sorgsamen Gebraucher werden.
  6. In Re-Zyklen und Kreisläufen denken und leben
    Sich bewusst machen, dass viele Kreisläufe durch das Selbst hindurchgehen.
  7. Nachhaltigkeit und Dauerhaftigkeit
    Das eigene Tun und Lassen in einem umfassenden zeitlichen Horizont sehen.
  8. Den eigenen Körper als Ökosystem wahrnehmen
    Den Sachverhalt verinnerlichen, dass man Teil des Ganzen ist.
  9. Genieße das Leben
    Und erhalte die Quellen des Genusses.
  10. Gelassenheit
    Das Machen, Wollen, Gestalten auch mal sein lassen können.

[1] Wilhelm Schmid, Philosophie der Lebenskunst – Eine Grundlegung, suhrkamp, 2014