Draußen explodieren die Forsythien, die Amseln singen, als ginge es um alles — und mittendrin sitze ich in einem Coachingraum, in dem seit vier Minuten niemand gesprochen hat. Stille ist keine Leere. Sie ist Anwesenheit, Dichte, Raum. Gerade wenn im Frühling alles aufbricht und die Holz-Energie nach außen drängt, wird die Stille zur Ressource. Über
Draußen explodieren die Forsythien, die Amseln singen, als ginge es um alles — und mittendrin sitze ich in einem Coachingraum, in dem seit vier Minuten niemand gesprochen hat. Stille ist keine Leere. Sie ist Anwesenheit, Dichte, Raum. Gerade wenn im Frühling alles aufbricht und die Holz-Energie nach außen drängt, wird die Stille zur Ressource. Über
Woher kommt die Überzeugung, dass der Mensch richtig ist? Eine Spurensuche, die bei Laozi beginnt, über Carl Rogers und die Systemtheorie führt und in dreißig Jahren Coaching-Praxis ankommt. Über den Unterschied zwischen Reparatur und Begleitung. Und die Frage, was geschieht, wenn wir aufhören, Menschen zu verbessern.
Schon Kinder lernen, dass sie nicht genügen. Schule, Ausbildung, Beruf – überall derselbe Blick auf das, was fehlt. Der Satz „Du bist richtig" widerspricht dieser Prägung. Er ist kein Kompliment und keine Einladung zum Stillstand. Er ist eine Standortbestimmung, die den Menschen vor sich selbst stellt. Und das ist unbequemer, als es klingt.
Die Hypes kommen in Wellen. Die Namen wechseln, die Struktur bleibt. Jedes Mal dieselbe Dringlichkeit: Wer jetzt nicht handelt, verliert den Anschluss. Und jedes Mal zeigt sich nach einiger Zeit, dass der Anschluss an einen Zug, der in die falsche Richtung fährt, kein Gewinn ist.
Microsoft, Google und Co. investieren 380 Milliarden in KI, während sie über 5.000 MVPs und GDEs mobilisieren – stochastische Papageien aus Fleisch und Blut, die als Berater die plattformkonforme Transformation vorantreiben. Community-Leadership wird zum Vehikel für Lock-in und eine sanfte, aber gründliche Übernahme.
New Work verspricht Befreiung durch Gefühle am Arbeitsplatz. Tatsächlich beschreibt die fröhliche Aufforderung "Bringt eure Emotionen mit zur Arbeit" die finale Kolonialisierung: Listen okayifizieren das Herzklopfen, Vulnerable Leadership macht die Träne zum Führungsinstrument, der Safe Space normalisiert die Preisgabe. Was als Emanzipation daherkommt, funktioniert als Enteignung des Letzten.
Gehringer/Auwermann perfektionieren das Militarisierungs-Marketing: Ihr „Sicherheitsdialog Deutschland" tarnt die Verwandlung von 83 Millionen Bürgern in eine kriegstaugliche Truppe als partizipativen Dialog. Volkssturm 4.0 – digital optimiert, diversity-zertifiziert, orwellsch geschminkt.
Alle schreien „Schaut her!", während niemand mehr hinschaut. Die Sichtbarkeitsobsession hat sich verselbstständigt – von KI-generierten Hooks bis zur Führungskraft, die ihre Banalitäten als strategische Weitsicht verpackt. Ein sabberndes Grundrauschen, in dem das Essentielle verstummt. Dabei wäre Schweigen manchmal die bessere Wahl. Hat nur keine Reichweite.
50 KI-Assistenten, Mitarbeitergespräche mit Chatbots, LinkedIn-Sichtbarkeit bis in deutsche Landtagssäle: Während der Mittelstand an fehlendem Wissen, Rechtsunklarheit und Datenschutzbedenken scheitert, inszenieren sich Digital-Propheten als Retter einer Krise, die sie selbst konstruieren. Eine Kolumne über Heilsversprechen, Bananenprodukte und die Kunst, Textgeneratoren zu transformativen KI-Lösungen umzuetikettieren.